Überlieferte Regeln
Vieles, was als Charttechnik weitergegeben wird, ist die Kurzform einer Aussage, die einmal vorsichtiger formuliert war. Diese Seite versammelt die Regeln, die „Charttechnik verstehen“ ausdrücklich einordnet – jede an der Stelle verlinkt, an der sie behandelt wird.
Es geht nicht darum, die überlieferte Lehre zu widerlegen. In den meisten Fällen sagt sie durchaus, was hier steht; verloren gegangen ist es auf dem Weg in die Kurzform.
Eine Quelle ist nicht dasselbe wie ein Beleg. Ein Verweis auf Wilder zeigt, was Wilder geschrieben hat. Nur wo Was untersucht ist steht, liegt eine quantitative Arbeit dahinter, und auch dann sagt sie, was sie gemessen hat, und nicht, was daraus zu tun wäre.
Ein Gegenbeispiel ist noch einmal etwas anderes: eine konstruierte Reihe, auf der die Regel sichtbar nicht hält. Es widerlegt ein „immer“ und sagt nichts über Häufigkeit – warum das zwei verschiedene Aussagen sind.
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Die Regel trägt nicht
Die Behauptung lässt sich aus dem, was der Chart zeigt, nicht ableiten.
„Berührt der Kurs das äußere Bollinger-Band, ist eine Umkehr fällig.“
Bei $k = 2$ liegt ein Teil der Bars definitionsgemäß außerhalb – die Berührung ist der erwartete Anteil, kein Ereignis. Aus der Formel folgt nur, dass der Kurs weit vom Mittelwert entfernt ist, und das ist in einem Trend der Normalfall.
Folklore bleibt: Dass die Bänder eine Spanne begrenzen, aus der der Kurs zurückmuss. Sie werden aus dem Kurs gerechnet und laufen mit ihm mit.
Gegenbeispiel: eine konstruierte Reihe, auf der die Regel nicht hält
Volatilität messenBewegung messenBollinger 2001
„Der Bruch einer Trendlinie beendet den Trend.“
Eine Trendlinie ist gezeichnet, ein Pivot ist gemessen. Zwei Betrachter legen zwei verschiedene Linien an dieselbe Bewegung und bekommen zwei verschiedene Zeitpunkte – was gebrochen wurde, war die Zeichnung.
Folklore bleibt: Dass eine freihändige Linie objektive Gültigkeit besitzt. Ein struktureller Trendwechsel ist ein ausgebliebenes höheres Hoch mit anschließend gebrochenem Tief; er lässt sich ohne manuelle Zeichnung rein rechnerisch definieren.
Bruch der StrukturStruktur lesenEdwards & Magee 1948
„Je öfter ein Niveau getestet wurde, desto stärker ist es.“
Aus der Marktmechanik offener Orderbücher folgt eher das Gegenteil: Jeder Test führt ruhende Aufträge aus und absorbiert Liquidität. Mehrmaliges Testen belegt die Beachtung des Niveaus, jedoch nicht dessen zukünftige Stabilität.
Folklore bleibt: Die Zählung selbst. Ob ein Niveau zwei- oder viermal getestet wurde, hängt vor allem daran, wie eng man es zeichnet und welchen Zeitrahmen man ansieht.
Liquidität und Order BlocksStruktur lesenEdwards & Magee 1948, Murphy 1999
„Ein Fehlausbruch war eine gezielte Stop-Jagd.“
Ablesbar ist die Konstellation: über ein Extrem hinaus, zurück darunter. Auslöser und Absicht dahinter stehen in einer Bar-Reihe nicht, und die Erklärung ändert an der Konstellation nichts.
Folklore bleibt: Der Gegner, der die Bewegung gemacht hat. Die Mechanik gehäufter Auftragsausführung an auffälligen Niveaus braucht keine Absicht.
Liquidität und Order BlocksStruktur lesen
„Ein Ausbruch mit hohem Volumen läuft weiter.“
Jeder Ausführung steht eine Gegenseite gegenüber; Umsatz ist die Zahl der zustande gekommenen Geschäfte, nicht ein Übergewicht einer Seite. Aus ihr lässt sich die Fortsetzung nicht ableiten.
Volumen lesenVolumen und Orderflow
„Die Wellenlehre sagt, wohin der Kurs als Nächstes läuft.“
Wird eine Zählung durch den Verlauf verletzt, gilt üblicherweise die Zählung als falsch und nicht die Lehre. Eine Aussage, die jede Beobachtung erklären kann, erklärt keine – prüfbar ist die einzelne Auszeichnung, nicht das Verfahren.
Die Kritik an ElliottElliott-WellenFrost & Prechter 1978
„Die Höhe des Kopfes, von der Nackenlinie abgetragen, ist das Kursziel.“
Die verbreiteten Projektionen sind Konventionen ohne Herleitung. Sie geben einer geometrischen Beobachtung eine Präzision, die sie nicht hat.
Muster sind Pivot-FolgenMusterEdwards & Magee 1948
„Je mehr Indikatoren dasselbe sagen, desto besser der Trade.“
Die meisten Indikatoren rechnen auf demselben Schlusskurs und sind deshalb hoch korreliert. Drei Momentum-Indikatoren, die zusammen zeigen, sind eine Beobachtung, keine drei – das ist die Rechenvorschrift und kein Zusammentreffen.
Konfluenz und ScoringZusammensetzen
„Dieses Muster funktioniert in siebzig Prozent der Fälle.“
Eine solche Quote setzt voraus, dass „das Muster“, „funktioniert“ und die Auswahl der Fälle festgelegt sind. Ohne diese drei Festlegungen bezeichnet die Zahl nichts, und mit ihnen gilt sie für die untersuchte Auswahl und den untersuchten Zeitraum.
Was untersucht ist: Park und Irwin ordnen fünfundneunzig neuere Untersuchungen: sechsundfünfzig mit positivem, zwanzig mit negativem, neunzehn mit gemischtem Ergebnis. Eine einzelne Quote aus dieser Menge herauszugreifen, sagt deshalb wenig, und die Arbeit hält fest, dass die meisten dieser Untersuchungen methodische Probleme haben, die die Zahlen nach oben ziehen.
Folklore bleibt: Die Quoten selbst. Sie werden weitergereicht, ohne dass die Auswahl mitgereicht wird, aus der sie stammen.
Konfluenz und ScoringZusammensetzenPark & Irwin 2007
„Ein guter Indikator sagt den Preis voraus.“
Ein Indikator ist eine Umformung der Bars, die schon da sind. Er kann sie zusammenfassen, vergleichbar machen und benennen – herausrechnen, was noch nicht in ihnen steht, kann er nicht.
Was untersucht ist: Die Übersicht von Park und Irwin über fünfundneunzig Untersuchungen kommt zu einem gemischten Bild und nennt die Beweislage ausdrücklich als noch nicht abschließend – „future research must address these deficiencies in testing in order to provide conclusive evidence". Das ist etwas anderes als „funktioniert nicht", aber weit entfernt von Vorhersage.
Konfluenz und ScoringZusammensetzenPark & Irwin 2007
„Die Regel hat im Rückblick verdient, also trägt sie.“
Eine Regel, die an einer Reihe entwickelt und an derselben Reihe geprüft wird, prüft nichts. Was ein guter Verlauf im Rückblick belegt, ist, dass sich für jede Vergangenheit eine Regel finden lässt, die zu ihr passt.
Was untersucht ist: Sullivan, Timmermann und White haben den Effekt beziffert, statt ihn zu umgehen: Sie prüfen eine Regel gegen die vollständige Menge, aus der sie gewählt wurde, und rechnen heraus, wie viel Vorsprung allein aus dem Auswählen entsteht. Park und Irwin finden in ihrer Übersicht über fünfundneunzig Untersuchungen, dass die meisten davon genau daran leiden – an Data Snooping, an nachträglicher Regelauswahl und an der Schätzung von Risiko und Transaktionskosten.
Die Grenzen der MethodeZusammensetzenSullivan, Timmermann & White 1999, Park & Irwin 2007
Die Regel ist zu absolut
Die Beobachtung stimmt, die daraus gemachte starre Handelsregel nicht.
„Charttechnik funktioniert auf jedem Instrument gleich.“
Für alles, was allein aus Preis und Zeit folgt, stimmt das – eine Kursreihe ist eine Kursreihe. Für alles Übrige nicht: Volumen, Aggressorseite, Open Interest und Terminstruktur gibt es je nach Instrument oder gar nicht. Der Indikator rechnet trotzdem.
Folklore bleibt: Dass eine Zahl, die auf dem Bildschirm erscheint, damit auch etwas bezeichnet. Ob die Volumenspalte Umsatz meint, entscheidet nicht die Formel, sondern das Instrument.
Was in deinen Daten stecktGrundlagen
„Kreuzt der kurze Durchschnitt den langen von unten, wird gekauft.“
Die Kreuzung ist eine überprüfbare Aussage über die Vergangenheit: Die kürzere Mittelung liegt jetzt über der längeren. Ob daraus ein Einstieg wird, hängt am Zustand der Reihe – im Trend kommt sie spät genug und trägt, in einer Spanne kreuzt sie in beide Richtungen.
Was untersucht ist: Brock, Lakonishok und LeBaron haben Durchschnittskreuzungen auf dem Dow Jones von 1897 bis 1986 untersucht und dabei Unterschiede zwischen Kauf- und Verkaufssignalen gefunden. Sieben Jahre später haben Sullivan, Timmermann und White genau diesen Regelsatz erweitert und gegen Data Snooping korrigiert – beide Arbeiten gehören zusammen gelesen, die erste allein wird häufig als Beleg angeführt.
Folklore bleibt: Dass eine bestimmte Kreuzung – „Golden Cross“, „Death Cross“ – für sich genommen etwas bedeutet. Der Nachlauf beider Linien folgt aus der Formel, nicht aus dem Markt.
Gegenbeispiel: eine konstruierte Reihe, auf der die Regel nicht hält
Trend und MittelwertBewegung messenMurphy 1999, Brock, Lakonishok & LeBaron 1992, Sullivan, Timmermann & White 1999
„Kreuzt die MACD-Linie ihre Signallinie, ist das ein Kauf- oder Verkaufssignal.“
Die Kreuzung ist ein wohldefiniertes Ereignis – sie ist der Vorzeichenwechsel des Histogramms. Sie ist nur keine eigene Information: Sie sagt dasselbe wie der Kursverlauf, den sie mittelt, und sagt es später.
Folklore bleibt: Dass die Kreuzung zweier Glättungen etwas ankündigt. Sie kann nichts ankündigen, was nicht schon in den Bars steht, aus denen sie gerechnet ist.
MomentumBewegung messenMurphy 1999
„Ein RSI über 70 ist überkauft und damit ein Verkaufssignal.“
Ein hoher Wert heißt, dass die Aufwärtsschritte im Fenster die Abwärtsschritte deutlich überwogen haben. Dass sie damit enden, steht in der Rechnung nicht – in einem laufenden Trend bleibt der Wert genau deshalb oben.
Folklore bleibt: Die Schwellen 30 und 70 stammen aus Wilders ursprünglicher Darstellung. In der Formel gibt es nichts, was diese Zahlen auszeichnet.
Gegenbeispiel: eine konstruierte Reihe, auf der die Regel nicht hält
RSI und DivergenzBewegung messenWilder 1978, Murphy 1999
„Eine Divergenz zwischen Preis und Oszillator kündigt die Umkehr an.“
Beobachtet wird, dass das zweite Extrem mit weniger Schwung erreicht wurde. Wie lange dieser Zustand anhält und ob er sich auflöst, ohne dass etwas passiert, sagt die Beobachtung nicht.
RSI und DivergenzBewegung messenWilder 1978
„Bricht der Kurs einen Widerstand, wird gekauft.“
„Gebrochen“ ist keine Beobachtung, sondern eine Festlegung: Docht darüber oder Schluss darüber sind zwei verschiedene Ereignisse mit verschiedenen Häufigkeiten. Erst wenn die Definition steht, lässt sich überhaupt sagen, ob etwas gebrochen wurde.
Bruch der StrukturStruktur lesenMurphy 1999
„Ein Widerstand ist gebrochen, sobald der Kurs darüber war.“
Ein Niveau ist die Stelle, an der Aufträge liegen, nicht eine Linie mit einer Preisangabe auf vier Stellen. Ob es hält, entscheidet sich daran, ob der Markt sich darüber aufhält – nicht daran, ob ein Docht darüber war.
Was untersucht ist: Osler hat Support- und Resistance-Niveaus untersucht, wie sechs Marktteilnehmer sie ihren Kunden tatsächlich nannten – nicht nachträglich gezeichnete – und findet, dass sie Trendunterbrechungen im Tagesverlauf vorhersagen halfen. Die Vorhersagekraft unterschied sich dabei je nach Währungspaar und je nach Anbieter der Niveaus.
Liquidität und Order BlocksStruktur lesenMurphy 1999, Osler 2000
„Eine Bewegung mit hohem Volumen ist bestätigt.“
Mehr Umsatz heißt mehr tatsächliche Beteiligung – das trägt. Eine Richtungsaussage folgt daraus nicht: Hoher Umsatz an einem Hoch kann Einstieg oder Ausstieg sein, und die Zahl unterscheidet das nicht.
Volumen lesenVolumen und OrderflowMurphy 1999
„Bei 61,8 Prozent dreht der Kurs.“
Die Verhältnisse liegen häufig in der Nähe bestimmter Werte – „häufig“ trägt dabei die ganze Last. Ein Retracement von 0,58 ist nicht 0,618, und ohne angegebene Toleranz ist die Aussage nicht überprüfbar.
Folklore bleibt: Die Herleitung aus der Fibonacci-Folge. Dass die Zahlen aus einer Zahlenfolge stammen, sagt nichts darüber, warum ein Kurs sich an sie halten sollte.
Die Regeln als prüfbare BedingungenElliott-WellenFrost & Prechter 1978
„Ein Hammer ist ein Kaufsignal, ein Shooting Star ein Verkaufssignal.“
Die Form ist prüfbar, die Bedeutung hängt an der Stellung. Ein Hammer irgendwo im Verlauf ist eine Bar mit langem unterem Docht; derselbe Hammer am unteren Rand einer Spanne, nach einem Test dieses Rands, ist eine Beobachtung mit Bezug.
Was untersucht ist: Marshall, Young und Rose haben Candlestick-Strategien auf den Werten des Dow Jones geprüft und finden sie dort nicht allgemein profitabel. Bemerkenswert ist ihr Vergleichsmaßstab: Sie erzeugen mit einem Bootstrap-Verfahren zufällige Eröffnungs-, Höchst-, Tiefst- und Schlusskurse – also genau die Zufallsreihe, gegen die eine Formationshäufigkeit gemessen werden muss, um etwas zu bedeuten.
Folklore bleibt: Dass die Namen etwas hinzufügen. In einer Zufallsreihe treten alle Ein- und Zwei-Bar-Formationen auf, und zwar häufig.
Location und GültigkeitMusterNison 1991, Marshall, Young & Rose 2006
„Zwei ungefähr gleich hohe Hochs sind ein Doppeltop und damit bärisch.“
Zwei gleich hohe Hochs sind zwei gleich hohe Hochs. Zum Doppeltop werden sie erst mit dem Bruch des Zwischentiefs – vorher ist die Formation sichtbar, aber nicht vollständig, und sichtbar ist nicht bestätigt.
Was untersucht ist: Lo, Mamaysky und Wang haben Chartmuster – darunter Doppelboden und Schulter-Kopf-Schulter – auf US-Aktien von 1962 bis 1996 automatisch erkannt statt von Hand und finden, dass mehrere davon zusätzliche Information tragen. Die Arbeit nennt die Subjektivität der Erkennung ausdrücklich als das Haupthindernis: Erst die maschinelle Auszeichnung macht die Frage überhaupt prüfbar.
Folklore bleibt: Dass man die Formation während ihrer Entstehung erkennt. Während sie entsteht, sieht man ständig Formationen, die zwei Bars später nicht mehr da sind.
Vollständig ist nicht bestätigtMusterEdwards & Magee 1948, Murphy 1999, Lo, Mamaysky & Wang 2000
Heute anders gelesen
Die Beobachtung beschreibt etwas Sinnvolles; moderne Praxis liest sie anders — oft unter neuem Namen.
„50 und 200 sind die richtigen Perioden.“
Eine Periode ist keine Einstellung, die richtig oder falsch sein kann, sondern die Wahl, über welche Zeitspanne gemittelt wird. Sie ist damit Teil der Frage, nicht ihrer Antwort.
Folklore bleibt: Dass gerade diese Zahlen wirken, weil viele auf sie schauen. Was sie tatsächlich sind: eine Konvention, die den Vergleich zwischen zwei Darstellungen erst möglich macht.
Trend und MittelwertBewegung messen
„Bei geringer Schwankungsbreite ist nichts zu holen.“
Volatilität ist selten das Signal und meistens der Maßstab. Eine enge Phase ist deshalb kein leerer Abschnitt, sondern ein Zustand, der sich robust von einer weiten unterscheiden lässt – und Abstände bedeuten in ihr etwas anderes.
Volatilität messenBewegung messen
„Die Dow-Theorie ist eine historische Vorstufe.“
Die Formalisierung als BOS und CHoCH operationalisiert Dows Kriterien über höhere Hochs und höhere Tiefs: Erst durch eine exakte Pivot-Definition wird das Konzept objektiv nachrechenbar.
Bruch der StrukturStruktur lesenMurphy 1999
„Smart Money Concepts sind eine neue Art, den Chart zu lesen.“
Order Block, Fair Value Gap und Sweep sind präzise Preiskonstellationen, und sie beschreiben Dinge, die die klassische Lehre unter anderen Namen kennt: die letzte Gegenbewegung vor dem Impuls, die Lücke, den Fehlausbruch. Neu ist die Benennung und die Genauigkeit der Definition, nicht der Gegenstand.
Liquidität und Order BlocksStruktur lesen
„Unterstützung und Widerstand sind Linien, die man einzeichnet.“
Das Profil beantwortet dieselbe Frage messbar: POC, VAH und VAL sind Niveaus, die aus den Umsätzen folgen und nicht aus der Zeichnung. Zwei Betrachter mit demselben Ausschnitt bekommen dieselben Werte.
Folklore bleibt: Dass ein Niveau dadurch stärker wird, dass viele es eingezeichnet haben. Was das Profil zeigt, ist, wo tatsächlich gehandelt wurde – nicht, wo hingeschaut wird.
VolumenprofilVolumen und OrderflowMurphy 1999
„Man zählt die Wellen ab, und daraus ergibt sich die Lage.“
Prüfbar ist nicht das heuristische Zählen, sondern das Verifizieren: Eine vorgelegte Auszeichnung erfüllt die drei Regeln oder verletzt sie eindeutig. Das Verfahren eignet sich daher als deterministische Regelprüfung, nicht als unfehlbares Zählsystem.
Die Regeln als prüfbare BedingungenElliott-WellenFrost & Prechter 1978
„Eine Formation zählt nur, wenn sie sauber aussieht.“
„Sauber“ ist keine Eigenschaft der Formation, sondern eine Toleranz. Bei 2 Prozent findet man wenige, bei 8 Prozent viele – die Frage ist nicht, wie gut es aussieht, sondern welche Toleranz angegeben wurde.
Muster sind Pivot-FolgenMuster
Belege
Die Rolle steht dabei, weil sie der Punkt ist: Ein Verweis auf Wilder belegt, was Wilder geschrieben hat – nicht, dass es zutrifft.
John Bollinger: Bollinger on Bollinger Bands. John Bollinger: Bollinger on Bollinger Bands. McGraw-Hill, 2001.
Originalquelle – Die Darstellung der Bänder durch ihren Urheber — einschließlich der ausdrücklichen Feststellung, dass eine Bandberührung für sich kein Signal ist.
William Brock, Josef Lakonishok, Blake LeBaron: Simple Technical Trading Rules and the Stochastic Properties of Stock Returns. William Brock, Josef Lakonishok, Blake LeBaron: Simple Technical Trading Rules and the Stochastic Properties of Stock Returns. Journal of Finance 47(5), 1731–1764, 1992.
Quantitative Untersuchung – Die meistzitierte Untersuchung zu Durchschnittskreuzungen und Range-Ausbrüchen, auf dem Dow Jones von 1897 bis 1986. Sie steht vor der Data-Snooping-Diskussion, die Sullivan, Timmermann und White sieben Jahre später genau an ihrem Regelsatz führen — beide gehören zusammen gelesen.
Robert D. Edwards, John Magee: Technical Analysis of Stock Trends. Robert D. Edwards, John Magee: Technical Analysis of Stock Trends. 1948.
Originalquelle – Die Quelle der klassischen Chartmuster — Schulter-Kopf-Schulter, Dreiecke, Kursziele aus der Formationshöhe.
A. J. Frost, Robert R. Prechter: Elliott Wave Principle. A. J. Frost, Robert R. Prechter: Elliott Wave Principle. New Classics Library, 1978.
Weiterentwicklung – Die heute maßgebliche Fassung von Elliotts Arbeit aus den 1930er Jahren.
Andrew W. Lo, Harry Mamaysky, Jiang Wang: Foundations of Technical Analysis: Computational Algorithms, Statistical Inference, and Empirical Implementation. Andrew W. Lo, Harry Mamaysky, Jiang Wang: Foundations of Technical Analysis: Computational Algorithms, Statistical Inference, and Empirical Implementation. Journal of Finance 55(4), 1705–1765, 2000.
Quantitative Untersuchung – Erkennt Chartmuster automatisch statt von Hand — die Arbeit nennt die Subjektivität ausdrücklich als das Haupthindernis, „the presence of geometric shapes in historical price charts is often in the eyes of the beholder". Auf US-Aktien 1962–1996 tragen mehrere Muster zusätzliche Information.
Ben R. Marshall, Martin R. Young, Lawrence C. Rose: Candlestick technical trading strategies: Can they create value for investors?. Ben R. Marshall, Martin R. Young, Lawrence C. Rose: Candlestick technical trading strategies: Can they create value for investors?. Journal of Banking & Finance 30(8), 2303–2323, 2006.
Quantitative Untersuchung – Prüft Candlestick-Strategien auf den Werten des Dow Jones Industrial Average. Die Vergleichsreihen entstehen durch ein Bootstrap-Verfahren, das zufällige Eröffnungs-, Höchst-, Tiefst- und Schlusskurse erzeugt — also genau die Vergleichsgröße, die eine Musterstatistik ohne Zufallsreihe schuldig bleibt.
John J. Murphy: Technical Analysis of the Financial Markets. John J. Murphy: Technical Analysis of the Financial Markets. New York Institute of Finance, 1999.
Weiterentwicklung – Das verbreitetste Übersichtswerk. Vieles, was heute als „klassische Regel" weitergegeben wird, hat hier seine kanonische Form bekommen.
Steve Nison: Japanese Candlestick Charting Techniques. Steve Nison: Japanese Candlestick Charting Techniques. New York Institute of Finance, 1991.
Originalquelle – Die Einführung der Candlestick-Formationen im westlichen Sprachraum. Nison betont dort selbst den Kontext, den spätere Darstellungen weglassen.
Carol L. Osler: Support for Resistance: Technical Analysis and Intraday Exchange Rates. Carol L. Osler: Support for Resistance: Technical Analysis and Intraday Exchange Rates. FRBNY Economic Policy Review 6(2), 53–68, 2000.
Quantitative Untersuchung – Untersucht Support- und Resistance-Niveaus, wie sechs Marktteilnehmer sie ihren Kunden tatsächlich nannten — nicht nachträglich gezeichnete. Damit ist die Frage prüfbar, ohne dass der Prüfende die Linien selbst legt.
Cheol-Ho Park, Scott H. Irwin: What Do We Know About the Profitability of Technical Analysis?. Cheol-Ho Park, Scott H. Irwin: What Do We Know About the Profitability of Technical Analysis?. Journal of Economic Surveys 21(4), 786–826, 2007.
Quantitative Untersuchung – Übersicht über 95 neuere Untersuchungen: 56 mit positivem, 20 mit negativem, 19 mit gemischtem Ergebnis. Der Befund der Arbeit über die Befunde ist der wichtigere — die meisten Untersuchungen leiden an Data Snooping, an der nachträglichen Auswahl der Handelsregeln und an der Schätzung von Risiko und Transaktionskosten.
Ryan Sullivan, Allan Timmermann, Halbert White: Data-Snooping, Technical Trading Rule Performance, and the Bootstrap. Ryan Sullivan, Allan Timmermann, Halbert White: Data-Snooping, Technical Trading Rule Performance, and the Bootstrap. Journal of Finance 54(5), 1647–1691, 1999.
Quantitative Untersuchung – Misst den Data-Snooping-Effekt, statt ihn zu umgehen: Der Test läuft über die vollständige Menge von Regeln, aus der die geprüfte stammt, und rechnet heraus, wie viel Vorsprung allein daraus entsteht, dass man die beste ausgewählt hat.
J. Welles Wilder Jr.: New Concepts in Technical Trading Systems. J. Welles Wilder Jr.: New Concepts in Technical Trading Systems. Trend Research, 1978.
Originalquelle – Die Erstveröffentlichung von RSI, ATR, ADX und Parabolic SAR. Auch die Herkunft der Schwellen 30 und 70.