Volumen ist die in einem Zeitabschnitt umgesetzte Menge eines Instruments – die einzige Größe in einer OHLCV-Bar, die nicht der Preis ist. Entsprechend viel wird hineingelesen, und entsprechend häufig auf Reihen, in denen die Spalte etwas anderes enthält, als angenommen wird.
Die methodische Voraussetzung jeder Volumenanalyse ist die Klärung der Datenherkunft: Ob die Spalte einer Kursreihe tatsächlichen Umsatz bezeichnet, entscheidet nicht die Berechnungsformel, sondern der zugrunde liegende Markt – siehe Was in deinen Daten steckt.
Zuerst: welche Spalte ist das überhaupt?
Zwei Reihen, die beide „Volumen“ heißen. Nur die linke misst eine tatsächliche Menge. Die Klärung der Datenherkunft ist die methodische Voraussetzung für alle volumenbasierten Verfahren.
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Wird diese Unterscheidung vernachlässigt, verlieren nachgelagerte Verfahren ihre Validität: Ein Volumenprofil auf reinen Tick-Daten erzeugt scheinbare Umsatzschwerpunkte, die in Wahrheit lediglich die Aktivität der Kursaktualisierungen widerspiegeln.
Was Volumen misst
Die umgesetzte Menge in einem Zeitabschnitt. Nicht mehr.
Insbesondere misst es keine Richtung. Zu jedem Abschluss gehören ein Käufer und ein Verkäufer; die umgesetzte Menge ist für beide dieselbe. Formulierungen wie „es kam Kaufvolumen in den Markt“ beschreiben keinen Sachverhalt, der in der Zahl steht. Was sich zerlegen lässt, braucht andere Daten – siehe Orderflow.
Ebenso wenig misst es Bedeutung. Eine große Bar mit großem Volumen und eine große Bar mit kleinem Volumen sind verschiedene Beobachtungen, aber welche davon „wichtiger“ ist, folgt nicht aus der Zahl.
Relatives Volumen
Absolute Volumenzahlen sind kaum interpretierbar: Sie unterscheiden sich zwischen Instrumenten um Größenordnungen und schwanken innerhalb eines Tages systematisch. Die brauchbare Form ist das Verhältnis zum eigenen Durchschnitt:
Die Rechnung
rel_volumen[i] = volume[i] / ø(volume, n)[i]Ein Wert von 2 heißt: doppelt so viel Umsatz wie im Mittel der letzten n Bars.
Zwei Fallstricke:
Der Tagesverlauf. Bei Instrumenten mit Session hat das Volumen ein wiederkehrendes Tagesprofil – viel zur Eröffnung, wenig mittags, viel zum Schluss. Ein relatives Volumen über einen gleitenden Durchschnitt vermischt Tageszeiten und meldet mittags systematisch niedrige, zur Eröffnung systematisch hohe Werte. Das Herausrechnen des Tagesverlaufs braucht einen Vergleich mit derselben Tageszeit, nicht mit dem Durchschnitt aller Bars.
Die Roll-Grenze. In verketteten Futures-Reihen bricht das Volumen des Frontmonats vor dem Verfall ein. Ein relatives Volumen misst dort den Kontraktwechsel, nicht die Marktaktivität.
Volumen und Preisbewegung zusammen
Die verbreitete Lesart lautet: Eine Bewegung mit hohem Volumen ist „getragen“, eine mit niedrigem „dünn“. Der Kern daran ist nachvollziehbar – mehr Umsatz heißt mehr tatsächliche Beteiligung.
Was daraus nicht folgt, ist eine Richtungsaussage. Hoher Umsatz an einem Hoch kann bedeuten, dass viele einsteigen, oder dass viele aussteigen; die Zahl unterscheidet das nicht. Der Strang Wyckoff baut auf genau dieser Doppeldeutigkeit auf und löst sie nicht über die Volumenzahl, sondern über die Stellung im Zyklus.