Ein Doppeltop ist eine Umkehrformation, bei der zwei ungefähr gleich hohe Hochs erst mit dem Bruch des dazwischenliegenden Tiefs zur Formation werden:
Zwei ungefähr gleich hohe Hochs sind kein Doppeltop.
Vorher sind es zwei Hochs, die zufällig ähnlich hoch liegen, und davon gibt es in jeder Kursreihe viele.
Drei Zustände einer Formation
Die Unterscheidung, die in fast jeder Musterbeschreibung fehlt, hat drei Stufen und nicht zwei:
| Zustand | Wann | Was er sagt |
|---|---|---|
| Sichtbar | die Form ist erkennbar | nichts Prüfbares – sie kann sich noch auflösen |
| Vollständig | alle Pivots der Bedingung liegen vor | die Formation ist definiert |
| Bestätigt | das auslösende Niveau ist gebrochen | die Bedingung ist erfüllt |
Die Rechnung
pivots h1, t1, h2 in zeitlicher folge, abwechselnd hoch und tief:
|h1 − h2| ≤ toleranz · h1 # die beiden hochs auf einem niveau
|h1 − t1| > toleranz · h1 # das zwischentief ist eine echte gegenbewegung
nackenlinie = t1, waagerecht
sichtbar: h2 entsteht in der nähe von h1
vollständig: h2 ist als pivot bestätigt → zustand „forming"
bestätigt: close < nackenlinie → zustand „confirmed"
verworfen: close > max(h1, h2) → zustand „invalidated"kestrel-chartkit · src/indicator/chart_patterns.rsv0.2.0
Die zweite Bedingung ist die, die man leicht vergisst: Ohne sie wären drei Punkte Rauschen auf einem Niveau ein Doppeltop.
Derselbe Kursverlauf, zweimal abgeschnitten. Links steht alles, was die Formation ausmacht, und trotzdem steht nichts fest. Beide Reihen stammen aus derselben Pivotliste; die rechte ist die linke, ein Stück weiter.
chartkit v0.2.0+a6ae0acVom Detektor bestätigt: double_top (Toleranz 2)
Zwischen „vollständig“ und „bestätigt“ liegt oft eine erhebliche Strecke – beim Doppeltop genau
der Weg von h2 bis unter t1. Eine Behandlung der Formation als Aussage schon bei „vollständig“
nimmt diese Strecke vorweg.
Warum man den mittleren Zustand für den letzten hält
Menschen erkennen Figuren sehr schnell und sehr bereitwillig. Während eine Formation entsteht, sieht man ständig Schulter-Kopf-Schulter, Dreiecke und Doppeltops, die zwei Bars später nicht mehr existieren.
Das liegt an der Sache und nicht am Betrachter: Die Bedingung an eine Pivot-Folge ist erst erfüllt, wenn die Pivots feststehen, und ein Pivot steht per Definition erst im Nachhinein fest (siehe Swings und Pivots).
Ein Chart mit nachträglich eingezeichneten Formationen sieht deshalb entschiedener aus, als die Lage zum jeweiligen Zeitpunkt war. Es ist derselbe Effekt, der bei BOS und CHoCH beschrieben ist, und er verschwindet nicht dadurch, dass man ihn nicht erwähnt.
Was daraus für den Katalog folgt
Jeder Eintrag im Formationskatalog führt vollständig ab und bestätigt durch als zwei getrennte Felder. Nur so trägt das Raster den Satz oben, statt ihn in jedem Text zu wiederholen.
Und es macht eine Formationsbeschreibung überhaupt erst prüfbar: Eine Angabe, ab wann eine Formation so genannt wird, lässt sich im Nachhinein daraufhin prüfen, ob die Benennung zu Recht erfolgt ist.