Zum Inhalt springen

Konfluenz und Scoring

Mehrere Beobachtungen zusammenführen und ihre gegenseitige Abhängigkeit berücksichtigen.

VertiefungKapitel 41 von 43

In diesem Kapitel: Erklärung · Rechenweg

Setzt voraus: Marktphasen und Volatilitätsregime, Relative Stärke und Korrelation

Eine Konfluenz ist das Zusammentreffen mehrerer unabhängiger Beobachtungen an derselben Stelle. Die naheliegende Idee daraus: Wenn ein Indikator wenig aussagt, sagen fünf mehr aus. Das stimmt nur unter einer Bedingung, und die ist häufig verletzt.

Was Konfluenz verspricht

Wenn mehrere unabhängige Beobachtungen dasselbe nahelegen, ist das mehr wert als eine allein. Das ist statistisch korrekt und die Grundlage jedes vernünftigen Zusammensetzens.

Das entscheidende Wort ist unabhängig.

Das Unabhängigkeitsproblem

Die meisten Indikatoren rechnen auf denselben Eingangsdaten – überwiegend auf dem Schlusskurs. Sie sind deshalb hoch korreliert, und mehrere davon zu bestätigen, ist kein zusätzlicher Beleg, sondern derselbe Beleg mehrfach gezählt.

Ein konkretes Beispiel: RSI, MACD und Stochastik sind alle Ableitungen der Kursänderung, nur verschieden geglättet. Wenn sie gemeinsam in eine Richtung zeigen, ist das kein Zusammentreffen – es ist die Rechenvorschrift.

Wirklich verschiedene Informationsquellen sind selten und lassen sich aufzählen:

QuelleBeispiele
PreisstrukturPivots, Bruch der Struktur, Niveaus
PreisdynamikMomentum, Volatilität, Trendstärke
VolumenUmsatzverteilung, relatives Volumen – nur bei echtem Umsatz
Anderes InstrumentRelative Stärke, Korrelation
Anderer ZeitrahmenKontext aus der gröberen Auflösung

Innerhalb einer Zeile ist die Unabhängigkeit gering; zwischen den Zeilen ist sie plausibel. Eine Konfluenz aus drei Momentum-Indikatoren ist deshalb eine Beobachtung, keine drei.

Wie man es sauber macht

Die Rechnung

für jede quelle q:
    teilwert[q] ∈ [−1, +1]                     # normiert, richtungsbehaftet

score = Σ (gewicht[q] · teilwert[q]) / Σ gewicht[q]

begründung = liste der teilwerte mit ihrem beitrag

kestrel-chartkit · src/scoring/composite.rsv0.2.0

Vier Bedingungen, damit das mehr ist als eine Zahl:

Ein Beitrag je Quelle, nicht je Indikator. Sonst überstimmt die Zeile mit den meisten Werkzeugen alle anderen.

Normierte Teilwerte. Ein MACD hat die Einheit des Kurses, ein RSI liegt zwischen 0 und 100. Ungewichtete Addition addiert Größen, die nichts miteinander zu tun haben.

Sichtbare Begründung. Ein Score ohne Aufschlüsselung ist eine Zahl ohne Inhalt. Er muss sagen, welcher Teil wie viel beigetragen hat. Sonst lässt sich nicht prüfen, ob er sinnvoll zustande kam.

Regimeabhängige Gewichte oder gar keine Aussage. Ein trendfolgender Beitrag in einer Seitwärtsphase ist nicht wenig wert, sondern irreführend. Siehe Marktphasen.

Warum der Score keine Wahrscheinlichkeit ist

Ein Wert von 0,8 heißt nicht „80 Prozent“. Er heißt: Die gewichtete Summe der normierten Teilwerte beträgt 0,8. Eine Wahrscheinlichkeitsaussage bräuchte eine Auswertung über viele Fälle, mit allen Problemen, die dazugehören – Auswahl, Zeitraum, Überanpassung.

Diese Seite trifft solche Aussagen nicht. Der Score ist eine Zusammenfassung der Lage, keine Prognose.

Was er tatsächlich leistet

Er macht eine Einschätzung explizit und reproduzierbar. Statt „das sieht gut aus“ steht da: Struktur +0,6, Dynamik +0,3, Volumen −0,2, Kontext +0,5 – nachvollziehbar und im Nachhinein überprüfbar.

Das ist der eigentliche Ertrag: nicht eine bessere Vorhersage, sondern eine überprüfbare Beschreibung.