Eine Konfluenz ist das Zusammentreffen mehrerer unabhängiger Beobachtungen an derselben Stelle. Die naheliegende Idee daraus: Wenn ein Indikator wenig aussagt, sagen fünf mehr aus. Das stimmt nur unter einer Bedingung, und die ist häufig verletzt.
Was Konfluenz verspricht
Wenn mehrere unabhängige Beobachtungen dasselbe nahelegen, ist das mehr wert als eine allein. Das ist statistisch korrekt und die Grundlage jedes vernünftigen Zusammensetzens.
Das entscheidende Wort ist unabhängig.
Das Unabhängigkeitsproblem
Die meisten Indikatoren rechnen auf denselben Eingangsdaten – überwiegend auf dem Schlusskurs. Sie sind deshalb hoch korreliert, und mehrere davon zu bestätigen, ist kein zusätzlicher Beleg, sondern derselbe Beleg mehrfach gezählt.
Ein konkretes Beispiel: RSI, MACD und Stochastik sind alle Ableitungen der Kursänderung, nur verschieden geglättet. Wenn sie gemeinsam in eine Richtung zeigen, ist das kein Zusammentreffen – es ist die Rechenvorschrift.
Wirklich verschiedene Informationsquellen sind selten und lassen sich aufzählen:
| Quelle | Beispiele |
|---|---|
| Preisstruktur | Pivots, Bruch der Struktur, Niveaus |
| Preisdynamik | Momentum, Volatilität, Trendstärke |
| Volumen | Umsatzverteilung, relatives Volumen – nur bei echtem Umsatz |
| Anderes Instrument | Relative Stärke, Korrelation |
| Anderer Zeitrahmen | Kontext aus der gröberen Auflösung |
Innerhalb einer Zeile ist die Unabhängigkeit gering; zwischen den Zeilen ist sie plausibel. Eine Konfluenz aus drei Momentum-Indikatoren ist deshalb eine Beobachtung, keine drei.
Wie man es sauber macht
Die Rechnung
für jede quelle q:
teilwert[q] ∈ [−1, +1] # normiert, richtungsbehaftet
score = Σ (gewicht[q] · teilwert[q]) / Σ gewicht[q]
begründung = liste der teilwerte mit ihrem beitragkestrel-chartkit · src/scoring/composite.rsv0.2.0
Vier Bedingungen, damit das mehr ist als eine Zahl:
Ein Beitrag je Quelle, nicht je Indikator. Sonst überstimmt die Zeile mit den meisten Werkzeugen alle anderen.
Normierte Teilwerte. Ein MACD hat die Einheit des Kurses, ein RSI liegt zwischen 0 und 100. Ungewichtete Addition addiert Größen, die nichts miteinander zu tun haben.
Sichtbare Begründung. Ein Score ohne Aufschlüsselung ist eine Zahl ohne Inhalt. Er muss sagen, welcher Teil wie viel beigetragen hat. Sonst lässt sich nicht prüfen, ob er sinnvoll zustande kam.
Regimeabhängige Gewichte oder gar keine Aussage. Ein trendfolgender Beitrag in einer Seitwärtsphase ist nicht wenig wert, sondern irreführend. Siehe Marktphasen.
Warum der Score keine Wahrscheinlichkeit ist
Ein Wert von 0,8 heißt nicht „80 Prozent“. Er heißt: Die gewichtete Summe der normierten Teilwerte beträgt 0,8. Eine Wahrscheinlichkeitsaussage bräuchte eine Auswertung über viele Fälle, mit allen Problemen, die dazugehören – Auswahl, Zeitraum, Überanpassung.
Diese Seite trifft solche Aussagen nicht. Der Score ist eine Zusammenfassung der Lage, keine Prognose.
Was er tatsächlich leistet
Er macht eine Einschätzung explizit und reproduzierbar. Statt „das sieht gut aus“ steht da: Struktur +0,6, Dynamik +0,3, Volumen −0,2, Kontext +0,5 – nachvollziehbar und im Nachhinein überprüfbar.
Das ist der eigentliche Ertrag: nicht eine bessere Vorhersage, sondern eine überprüfbare Beschreibung.