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Bruch der Struktur

Strukturbrüche anhand bestätigter Hochs und Tiefs bestimmen und von einem Charakterwechsel unterscheiden.

AufbauKapitel 14 von 43

In diesem Kapitel: Erklärung · Rechenweg · Berechnetes Beispiel

Setzt voraus: Swings und Pivots

Ein Bruch der Struktur (Break of Structure, BOS) liegt vor, wenn ein bestätigter Pivot in Trendrichtung überschritten wird und damit die bestehende Trendfolge fortsetzt. Wenn eine Folge aus höheren Hochs und höheren Tiefs einen Aufwärtstrend definiert, ist die Frage nach dem Ende dieser Folge zugleich die Frage nach dem Ende des Trends. Zwei Ereignisse werden dabei unterschieden – BOS und der Change of Character (CHoCH) –, und die Verwechslung der beiden ist verbreitet.

BOS – die Fortsetzung

Ein Break of Structure liegt vor, wenn ein bestätigter Pivot in Trendrichtung überschritten wird: im Aufwärtstrend ein Schluss über dem letzten Pivot-Hoch.

Die Rechnung

im aufwärtstrend:
    bos, wenn close > letztes bestätigtes pivot_hoch

im abwärtstrend:
    bos, wenn close < letztes bestätigtes pivot_tief

kestrel-chartkit · src/indicator/bos_choch.rsv0.2.0

Das bestätigt die bestehende Folge, statt sie zu wenden.

CHoCH – der Wechsel

Ein Change of Character ist der erste Bruch gegen die Trendrichtung: im Aufwärtstrend ein Schluss unter dem letzten Pivot-Tief.

Die Rechnung

im aufwärtstrend:
    choch, wenn close < letztes bestätigtes pivot_tief

im abwärtstrend:
    choch, wenn close > letztes bestätigtes pivot_hoch

Was daraus folgt, ist begrenzter, als der Name nahelegt. Ein CHoCH sagt: Die bisherige Folge ist gebrochen. Er sagt nicht, dass jetzt eine gegenläufige Folge beginnt – dafür bräuchte es mindestens einen neuen Pivot in der Gegenrichtung, und der ist noch nicht da.

Zwischen „der Aufwärtstrend ist zu Ende“ und „jetzt beginnt ein Abwärtstrend“ liegt eine Lücke, die in vielen Darstellungen übersprungen wird. Zustandslos betrachtet ist ein CHoCH das Ende von etwas, nicht der Anfang.

Dass ein Trend aus höheren Hochs und höheren Tiefs besteht, ist keine neue Einsicht. Es ist der Kern der Dow-Theorie. Neu ist nur, dass eine festgelegte Pivot-Definition daraus eine nachrechenbare Aussage macht statt einer Beschreibung.

Davon zu unterscheiden ist der Bruch einer eingezeichneten Trendlinie. Ein Pivot wird gemessen, eine Trendlinie wird angelegt: Zwei Betrachter kommen an derselben Bewegung zu zwei verschiedenen Linien und damit zu zwei verschiedenen Zeitpunkten.

Der Schluss, nicht die Spitze

Beide Definitionen oben verwenden close, nicht high oder low. Das ist eine Entscheidung mit Folgen: Ein Docht über das vorherige Hoch ist damit kein Bruch, ein Schlusskurs darüber schon.

Die Alternative – Bruch schon beim Überschreiten mit dem Docht – reagiert früher und erzeugt mehr Fehlausschläge. Es gibt keinen richtigen Wert; es gibt nur die Pflicht, sich festzulegen und dabei zu bleiben. Eine Vermischung beider Varianten macht das Ergebnis nicht mehr reproduzierbar.

Ausgeführt – eigene Skala

100110120Kurs-2-1012bos_chochvaluetrend
Die BOS/CHoCH-Erkennung als Ereignisreihe unter dem Kurs.

Datensatz: trend_aufpivot_len = 5chartkit v0.2.0+a6ae0ac

Dieselbe Rechnung steht als Eintrag in der Indikator-Referenz — dort mit allen Parametern und der Eignungsangabe.

Die geerbte Verzögerung

Beide Ereignisse setzen auf bestätigten Pivots auf. Damit erben sie die Verzögerung aus Swings und Pivots: Das Niveau, das gebrochen wird, war zum Zeitpunkt seines Entstehens noch nicht als Pivot bekannt.

Ein Chart mit nachträglich eingezeichneten BOS- und CHoCH-Markierungen sieht deshalb entschiedener aus, als die Lage zum jeweiligen Zeitpunkt war. Das ist die wichtigste Einschränkung dieser Betrachtung, und sie verschwindet nicht dadurch, dass man sie nicht erwähnt.