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Was gehandelt wird

Eigenschaften von Aktien, Indizes, ETFs, Terminkontrakten, CFDs und Devisen sowie die Folgen für ihre Kursreihen.

EinstiegKapitel 2 von 43

In diesem Kapitel: Erklärung · Rechenweg

Setzt voraus: Wie ein Handel zustande kommt

Ein Instrument ist die Sache oder der Vertrag, über den ein Abschluss geschlossen wird – eine Aktie, ein Index, ein ETF, ein Terminkontrakt, ein CFD, eine Währung. Das vorige Kapitel hat erklärt, wie ein Abschluss entsteht; dieses beantwortet, worüber er geschlossen wird. Beides gehört zusammen: Ob eine Volumenspalte eine Menge enthält, ob eine Reihe über Jahre hinweg vergleichbar ist und ob es überhaupt einen einzigen richtigen Kurs gibt, entscheidet sich am Instrument.

Charttechnik behandelt alle diese Reihen mit denselben Formeln. Genau deshalb muss man wissen, welche davon dieselbe Bedeutung haben, und welche nicht.

Basiswert und Derivat

Die Unterscheidung, die alles Weitere ordnet:

  • Ein Basiswert ist die Sache selbst – eine Aktie, ein Rohstoff, ein Währungspaar. Sein Kauf begründet Besitz.
  • Ein Derivat ist ein Vertrag über diese Sache. Sein Preis leitet sich vom Basiswert ab, aber er ist nicht dasselbe. Das Halten eines Derivats ist eine Vereinbarung, kein Besitz.

Terminkontrakt, Option und CFD sind Derivate. Sie haben deshalb Eigenschaften, die kein Basiswert hat: einen Verfallstermin, eine Sicherheitsleistung statt eines Kaufpreises, und eine Gegenpartei, deren Wahl den Kurs mitbestimmt.

Die Aktie

Eine Aktie ist ein Anteil am Eigenkapital eines Unternehmens. Ihr Kauf begründet Miteigentum, mit Stimmrecht in der Hauptversammlung und Anspruch auf einen Teil der Ausschüttung.

Für die Charttechnik ist vor allem eines relevant: Eine Aktie wird an einer Börse gehandelt, ein Handelsplatz meldet die Abschlüsse, und die Volumenspalte enthält deshalb tatsächlich umgesetzte Stücke. Aktien und die Terminkontrakte auf sie sind die Instrumente, bei denen alles funktioniert, was Volumen als Menge liest.

Eine Aktie läuft nicht aus. Ihre Kursreihe ist prinzipiell durchgehend, mit zwei Ausnahmen, die gleich der Anlass für die Adjustierung sind.

Dividende und Split

Dividende. Schüttet ein Unternehmen aus, verlässt das Geld das Unternehmen. Am ersten Handelstag ohne Anspruch – dem Ex-Tag – eröffnet die Aktie deshalb tiefer, ohne dass jemand verkauft hätte. Der Kurs fällt, der Aktionär hat nichts verloren; er hält denselben Wert, nur in zwei Teilen.

Split. Wird eine Aktie im Verhältnis 1:2 geteilt, hält jeder danach doppelt so viele Stücke zum halben Preis. Im Chart steht am Split-Tag ein Absturz um 50 Prozent, dem kein Ereignis entspricht.

Beides sind Kurssprünge ohne Marktbewegung. Und beides würde jede Rendite-, Trend- und Volatilitätsrechnung über diesen Termin hinweg verfälschen.

Warum Kursreihen adjustiert werden

Datenanbieter lösen das, indem sie die Vergangenheit umrechnen – sie bereinigen oder adjustieren die Reihe:

Split-Bereinigung

faktor = neue stückzahl je alter aktie        # 1:2-Split → 2

für alle bars vor dem split-termin:
    adj_open   = roh_open   / faktor
    adj_high   = roh_high   / faktor
    adj_low    = roh_low    / faktor
    adj_close  = roh_close  / faktor
    adj_volume = roh_volume × faktor

Das Volumen wird multipliziert statt geteilt, damit der Umsatz – Preis mal Menge – erhalten bleibt. Die Dividendenbereinigung arbeitet nach demselben Muster, nur mit einem Faktor je Ausschüttung, und verschiebt damit jedes historische Niveau, nicht nur die um Split-Termine.

Der Punkt, auf den es ankommt: Eine bereinigte Reihe zeigt Kurse, zu denen nie gehandelt wurde. Sie ist richtig für Renditen und Langfristvergleiche und falsch für die Frage, wo damals tatsächlich eine Marke lag. Beides gleichzeitig geht nicht. Was das konkret für Unterstützungsniveaus, Zählungen und Indikatorwerte bedeutet, steht in Woher deine Kerzen kommen. Das ist die Fortsetzung dieser Frage von der Analyseseite her.

Adjustierung ist übrigens kein Sonderfall der Aktie. Sie kehrt bei Terminkontrakten wieder (dort als Verkettung über den Verfall hinweg) und bei Optionen (dort als Anpassung der Kontraktbedingungen). Drei Instrumente, dieselbe Ursache: ein Sprung, der keine Marktbewegung ist.

Der Index

Ein Index ist ein berechneter Wert, kein Instrument. DAX, S&P 500, Euro Stoxx – das sind Formeln über einen Korb von Aktien, laufend neu ausgewertet.

Daraus folgt unmittelbar: Ein Index hat kein Volumen. Nicht wenig, nicht ungenaues – gar keines. Es gibt nichts zu handeln, also gibt es keinen Umsatz. Ein Volumenprofil auf einen Index zeigt entweder eine leere Spalte oder eine, die der Anbieter von woanders geholt hat.

Zweitens gibt es zwei Bauarten, und der Unterschied ist eine im Index eingebaute Adjustierung:

  • Kursindex – bildet nur die Kurse ab. Dividenden fehlen, die Reihe hinkt langfristig zurück.
  • Performanceindex – legt die Dividenden rechnerisch wieder an. Der DAX ist einer, der S&P 500 nicht. Ein Langfristvergleich beider Reihen vergleicht deshalb zwei verschiedene Rechenarten.

Der ETF

Ein ETF ist ein börsengehandeltes Sondervermögen, das einen Index nachbildet. Er macht den Index handelbar, und damit gibt es echtes Volumen. Nur ist es das Volumen des ETF, nicht das des Marktes, den er abbildet: ein Bruchteil der Liquidität, die sich tatsächlich auf den Index bezieht.

Für Volumenarbeit an einem Index ist deshalb weder der Index selbst noch sein ETF die Referenz, sondern der Terminkontrakt darauf. Dort handelt die index-bezogene Liquidität.

Der Terminkontrakt

Ein Terminkontrakt – im Englischen Future – ist eine standardisierte Vereinbarung, eine bestimmte Menge eines Basiswerts zu einem festen Termin zu einem heute vereinbarten Preis zu tauschen. Er wird an einer Börse gehandelt, ist in allen Bedingungen standardisiert, und eine zentrale Gegenpartei tritt zwischen die beiden Seiten.

Was einen Kontrakt beschreibt:

MerkmalBeispiel FDAX (Eurex)
BasiswertDAX-Index
Kontraktgröße25 € je Indexpunkt
VerfallmonateMärz, Juni, September, Dezember
Abrechnungin Geld, keine Lieferung

Die Kontraktgröße ist die Größe, die am häufigsten unterschätzt wird: Sie übersetzt eine Kursbewegung in Geld. 25 Punkte Bewegung sind bei diesem Kontrakt 625 € je Kontrakt, unabhängig davon, was man beim Einstieg hinterlegt hat.

Kontraktwert und Ergebnis einer Bewegung

kontraktwert = kontraktgroesse × kurs
ergebnis     = kontraktgroesse × (kurs_aus − kurs_ein) × anzahl_kontrakte

Für die Charttechnik ist der Terminkontrakt das freundlichste Derivat: börsengehandelt, mit echtem Umsatzvolumen und einem Kurs, der für alle derselbe ist.

Verfall und Rollover

Und mit einer Eigenschaft, die kein Basiswert hat: Er läuft aus. Am Verfallstag endet die Serie. Das Halten der Position über den Verfall hinaus erfordert, sie zu schließen und im nächsten Kontrakt neu zu eröffnen. Das ist der Rollover.

Weil der nächste Kontrakt einen anderen Preis hat als der auslaufende, entsteht dabei ein Sprung. Eine mehrjährige Chartreihe wird deshalb aus aufeinanderfolgenden Kontrakten verkettet, und dabei stellt sich dieselbe Frage wie beim Aktien-Split: Sprung stehen lassen oder wegrechnen? Beide Antworten sind für ihren Zweck richtig, und keine für beide. Die Folgen im Detail – samt der Rohstoff-Härtefälle, wo der Roll-Effekt einen scheinbaren Trend erzeugen kann – behandelt Woher deine Kerzen kommen.

Volumen und Open Interest

Bei Derivaten gibt es eine zweite Zahl neben dem Volumen, die es beim Basiswert nicht gibt:

  • Volumen – wie viele Kontrakte in diesem Zeitabschnitt gehandelt wurden. Ein Umsatzmaß.
  • Open Interest – wie viele Kontrakte insgesamt offen sind, also weder glattgestellt noch verfallen. Ein Bestandsmaß.

Der Unterschied ist inhaltlich: Zwei Parteien, die bestehende Positionen untereinander tauschen, erzeugen Volumen, aber kein zusätzliches Open Interest. Wird dagegen ein neuer Kontrakt zwischen zwei neuen Parteien geschlossen, steigen beide. Steigendes Open Interest heißt also, dass Geld neu gebunden wird; fallendes, dass Positionen aufgelöst werden.

Beides zusammen zeigt auch den Rollover an: Vor dem Verfall fallen Volumen und Open Interest im Frontmonat, während sie im nächsten Kontrakt aufbauen. Ein Volumenprofil, das über diese Grenze hinweg gerechnet wird, vermischt zwei getrennte Liquiditätspools.

Margin und Hebel

Für einen Terminkontrakt zahlt man keinen Kaufpreis, sondern hinterlegt eine Sicherheitsleistung, die Margin. Sie ist ein Bruchteil des bewegten Kontraktwerts.

Hebel

hebel = kontraktwert / hinterlegte_margin

Der Hebel ist damit keine Eigenschaft des Instruments, sondern eine Folge der eigenen Positionsgröße, und er wirkt in beide Richtungen exakt gleich. Zwei Punkte, die sachlich dazugehören:

  • Reicht die Sicherheit nach einer Bewegung nicht mehr aus, wird nachgefordert oder die Position geschlossen. Das kann geschehen, obwohl die ursprüngliche Einschätzung sich später als richtig erweist – der Zeitpunkt der Zwangsschließung folgt der Margin, nicht der Analyse.
  • Ein Verlust kann die hinterlegte Sicherheit übersteigen.

Für die Charttechnik heißt das: Der Chart ist derselbe, ob man mit oder ohne Hebel handelt. Was der Hebel verändert, ist ausschließlich, wie lange man eine Gegenbewegung aushält, und damit, ob eine richtige Analyse zu einem Ergebnis führt.

Der CFD

Ein Contract for Difference ist eine Vereinbarung mit einem Anbieter, die Kursdifferenz eines Basiswerts auszugleichen. Es gibt keine Börse und keine zentrale Gegenpartei. Der Anbieter ist die Gegenseite.

Daraus folgen drei Dinge, die alle für die Charttechnik zählen:

Es gibt keinen einen richtigen CFD-Kurs. Jeder Anbieter stellt eigene Quotes inklusive seines Spreads. Zwei Anbieter zeigen für dasselbe Underlying leicht verschiedene Hochs und Tiefs.

Es gibt kein Marktvolumen. Kein Handelsplatz, kein gemeldeter Gesamtumsatz. Eine Volumenspalte hat die Serie trotzdem oft – gefüllt aus dem Haus des Anbieters. Was sie zählt, ist ihr nicht anzusehen: der bei diesem Anbieter gehandelte Umsatz oder die Häufigkeit von Preisänderungen (Tick-Volumen). Für ein grobes Aktivitätsmaß innerhalb derselben Reihe reicht beides; alles, was Volumen als Menge an einem Preis braucht – Volumenprofil, VWAP, Value Area –, beschreibt damit den Anbieter und nicht den Markt.

Es fallen laufende Kosten an. Eine über Nacht gehaltene Position wird finanziert, bei CFDs auf Futures kommt die anbietereigene Roll-Behandlung dazu, nach nicht offengelegter Methode. Das ist die undurchsichtigste Form der Adjustierung in diesem Kapitel.

Ein CFD hat trotzdem einen Vorzug, der oft übersehen wird: Die eigenen Stops lösen auf dem Anbieterpreis aus. Für die Niveaus, gegen die man tatsächlich handelt, sind das die richtigen Daten. Für alles, was übertragbar sein soll – ein historisches Niveau, eine Wellenauszeichnung, ein Vergleich mit einer fremden Analyse – sind sie es nicht.

Devisen

Der Devisen-Kassahandel hat keinen zentralen Handelsplatz, sondern ein Netz von Banken und Plattformen. Jeder Anbieter zeigt seinen Ausschnitt daraus. Für die Praxis heißt das dasselbe wie beim CFD: kein Gesamtvolumen, anbieterabhängige Extreme. Wo für Devisen echtes Volumen gebraucht wird, führt der Weg über die Währungs-Terminkontrakte.

Die Übersicht

InstrumentGegenparteiVolumenspalteLäuft ausWird adjustiert
AktieBörse, zentrale Abwicklungechter UmsatzneinSplit, Dividende
Index– nicht handelbarkeineneinim Performanceindex eingebaut
ETFBörseechter Umsatz, aber nur ETF-eigenerneinSplit, Ausschüttung
TerminkontraktBörse, zentrale Gegenparteiechter Umsatz, plus Open InterestjaVerkettung über den Roll
OptionBörse, zentrale Gegenparteiechter Umsatz, plus Open InterestjaKontraktanpassung
CFDder Anbieteranbietereigen, Art nicht ausgewiesenje nach Basiswertanbietereigen, nicht offengelegt
Devisen-KassaBank oder PlattformTick-Volumenneinnein

Die Spalten drei bis fünf bilden die methodische Grundlage für jede Indikatorauswahl: Sie bestimmen, ob eine Zeitreihe die notwendige Information für die mathematische Formulierung eines Indikators überhaupt enthält. Diese Zuordnung wird in der Anwendbarkeits-Matrix für jeden Indikator systematisch erfasst.

Sonderstatus von Optionen

Unter den derivativen Instrumenten nimmt die Option eine Sonderstellung ein: Ihr Preis hängt nicht allein von der Bewegung des Basiswerts ab, sondern maßgeblich von Restlaufzeit und impliziter Volatilität. Eine technische Auswertung auf Optionspreisreihen erfordert daher gesonderte Voraussetzungen, wie in Optionen: Call und Put dargestellt.