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Eins, zwei, drei

Gemeinsame Struktur und Unterschiede von Doppeltop, Schulter-Kopf-Schulter und Quasimodo.

AufbauKapitel 35 von 43

In diesem Kapitel: Erklärung · Rechenweg · Berechnetes Beispiel

Setzt voraus: Vollständig ist nicht bestätigt, Bruch der Struktur

Die Grundfolge ist die Abfolge Trend → Strukturverlust → neue Struktur, auf die sich ein erheblicher Teil der Umkehrfamilie der klassischen Charttechnik zurückführen lässt. Die klassische Musterliste ist lang, und das meiste daran ist Vokabular für dieselbe Folge unter verschiedenen Namen:

Trend → Strukturverlust → neue Struktur.

Die Kenntnis dieser Folge macht die Namen entbehrlich, um zu beschreiben, was passiert ist. Umgekehrt führt die Kenntnis der Namen ohne die Folge dazu, drei Beschreibungen desselben Vorgangs für drei verschiedene Vorgänge zu halten.

Die Grundfolge

Die Rechnung

in einem aufwärtstrend mit pivots … h_alt, t_alt, …:

(1) ein neues hoch h1 entsteht — der trend läuft noch
(2) das folgende tief t1 unterschreitet t_alt          # strukturverlust
(3) das folgende hoch h2 bleibt unter h1               # keine neue trendbestätigung

bestätigt: close < t1

kestrel-chartkit · src/indicator/chart_patterns.rsv0.2.0

Punkt (2) ist der eigentliche Inhalt. Er ist derselbe wie der Charakterwechsel, nur dass die klassische Musterlehre ihn als Teil einer Figur beschreibt und die Strukturlehre als Ereignis.

Implementiert ist diese Folge als ReversalOneTwoThree, mit den Familien darunter als eigene Muster nach derselben Lebenslaufregel: Die Nackenlinie entscheidet.

Doppeltop ist 1-2-3 mit einer Gleichheitsbedingung

Ein Doppeltop ist die Grundfolge, bei der h2 nicht nur unter h1 bleibt, sondern nahe an h1 liegt:

doppeltop:   |h1 − h2| ≤ toleranz · h1
1-2-3:       h2 < h1

Das ist der ganze Unterschied. Ein Doppeltop ist ein Spezialfall, und zwar ein engerer, weil er eine zusätzliche Bedingung stellt. Die verbreitete Vorstellung, das Doppeltop sei die stärkere Formation, hat es also mit einer Sache zu tun, die seltener ist, nicht mit einer, die mehr sagt.

Schulter-Kopf-Schulter ist 1-2-3 mit einer Zusatzbedingung

Fünf Pivots statt drei, und die Bedingung wird symmetrisch:

Die Rechnung

pivots h1, t1, h2, t2, h3 in zeitlicher folge, abwechselnd hoch und tief:

    h2 > h1  und  h2 > h3                      # der kopf überragt beide schultern
    |h1 − h3| ≤ toleranz · h2                  # die schultern liegen ähnlich hoch
    |t1 − t2| ≤ toleranz · h2                  # die zwischentiefs auch

nackenlinie = gerade durch (t1, t2)            # nicht waagerecht gezwungen

bestätigt:   close < nackenlinie(t)
verworfen:   close > max(h1, h2, h3)

kestrel-chartkit · src/indicator/chart_patterns.rsv0.2.0

Die Nackenlinie wird bewusst nicht waagerecht gezwungen. Eine geneigte Nackenlinie ist der Normalfall, und sie flach zu ziehen verschöbe genau das Niveau, an dem die Bestätigung hängt.

Die Grundfolge steckt in h2, t2, h3: ein Hoch, ein Tief, ein niedrigeres Hoch. Alles davor – h1 und t1 – ist die Zusatzbedingung, die aus 1-2-3 eine Schulter-Kopf-Schulter macht.

Die rechte Schulter steht
100110120Die rechte Schulter steht — die Nackenlinie hält
Die Nackenlinie ist gebrochen
100110120Erst der Bruch der Nackenlinie bestätigt

Links ist die Figur vollständig und gut zu erkennen. Das macht sie gefährlich: Erkennbarkeit ist keine Bestätigung, und der Weg von der rechten Schulter bis unter die Nackenlinie ist ein erheblicher Teil der Bewegung.

chartkit v0.2.0+a6ae0acVom Detektor bestätigt: head_and_shoulders (Toleranz 4)

Die rechte Schulter bestätigt nichts. Sie vervollständigt die Formation; bestätigt ist sie erst mit dem Bruch der Nackenlinie. Das ist derselbe Punkt wie im vorigen Kapitel, und er wird bei der Schulter-Kopf-Schulter am häufigsten übergangen, weil die Figur so gut erkennbar ist.

Quasimodo ist 1-2-3 mit vertauschter Reihenfolge

Die neuere Bezeichnung für dieselbe Struktur, aus der Perspektive der Marktstruktur beschrieben: Ein Hoch, ein Tief, das ein früheres Tief unterschreitet, und ein Hoch, das unter dem vorherigen bleibt. Das ist Punkt (1) bis (3) der Grundfolge, gelesen als Abfolge gebrochener Niveaus statt als Figur.

Im Katalog steht sie deshalb als Alias und nicht als eigener Eintrag – eine Sache, ein Eintrag.

Was man damit gewonnen hat

Die Landkarte wird lernbar statt zur Vokabelliste. Kenntnis der Grundfolge erlaubt die Einordnung einer unbekannten Formation, statt sie nachzuschlagen: Wo ist der Strukturverlust, und was ist die Zusatzbedingung?

Und die Bestätigung ist in allen Fällen dieselbe Frage – welches Niveau muss brechen. Beim Doppeltop ist es t1, bei der Schulter-Kopf-Schulter die Nackenlinie, bei der Grundfolge ebenfalls t1. Drei Namen, eine Frage.