Ein Fehlausbruch ist eine Formation, die entsteht, ohne sich zu bestätigen – sie ist in fast jeder Musterliste die Kategorie, die fehlt, obwohl sie die häufigste ist.
Eine Musterliste, die nach dem Prinzip „Formation → erwartete Bewegung“ aufgebaut ist, hat für den Fall, dass die Bewegung ausbleibt, keinen Platz. Er passt nicht ins Schema.
Die Kategorie, die in den Listen fehlt
Ein Ausbruch über ein Niveau, der anschließend wieder darunter schließt, sagt nicht „das Signal war falsch“. Er sagt:
Oberhalb des Niveaus kam keine Annahme zustande.
Das ist eine Beobachtung über den Markt und nicht über das Verfahren. Und sie ist präziser als die gelungene Variante: Dass ein Ausbruch läuft, kann viele Gründe haben; dass er zurückkommt, heißt, dass es jenseits nicht genug gab, um dort zu bleiben.
Beschrieben, noch nicht gerechnet
fehlausbruch nach oben, niveau n:
high[i] > n # jenseits gewesen
und close[j] < n für ein j in (i, i+k] # innerhalb von k bars zurückDie beiden Parameter sind derselbe Ermessensspielraum wie überall: n verlangt eine Definition des
Niveaus, k ein Zeitfenster. Ohne beide ist „Fehlausbruch“ eine Erzählung.
Dieselbe Sache unter drei Namen
Die Konstellation ist in mehreren Traditionen beschrieben, jeweils mit eigener Betonung:
| Name | Betonung |
|---|---|
| Fehlausbruch | die Geometrie: jenseits, dann zurück |
| Bullen- oder Bärenfalle | die Wirkung auf die, die auf dem Ausbruch eingestiegen sind |
| Liquidity Sweep | die Mechanik: jenseits des Extrems lagen Aufträge |
| Spring / Upthrust | die Stellung im Wyckoff-Zyklus |
Dass es vier Namen gibt, heißt nicht, dass es vier Dinge sind. Der Katalog führt
sie deshalb als einen Eintrag mit Aliassen, und Spring und Upthrust stehen im
Wyckoff-Strang, weil sie dort ihre Bedeutung bekommen – im Katalog wird nur dorthin verwiesen.
Was die Namen tatsächlich unterscheiden, ist der Anspruch. „Fehlausbruch“ beschreibt, was zu sehen war. „Bullenfalle“ benennt bereits die Verliererseite unter denen, die auf dem Ausbruch eingestiegen sind. „Stop-Jagd“ unterstellt zusätzlich eine Absicht, und die steht in einer Bar-Reihe nicht (siehe Liquidität und Order Blocks).
Jedes Muster hat ein Gegenstück
Zu jeder Formation gehört die Variante, in der sie nicht hält:
- Doppeltop, dessen Zwischentief nicht bricht – die Spanne bleibt eine Spanne
- Schulter-Kopf-Schulter, deren Nackenlinie hält
- Dreieck, dessen Ausbruch in die Formation zurückkehrt
- Flagge, deren Bewegung nach dem Ausbruch sofort endet
Der Formationskatalog führt dafür ein Feld gegenstueck. Ein Eintrag verweist auf
seine fehlgeschlagene Variante, und die verweist zurück – genau so, wie ein Kapitel seine
Voraussetzungen führt.
Der praktische Ertrag: Die Beschreibung der fehlgeschlagenen Variante liefert zugleich die Invalidierung der gelungenen. Beides ist dieselbe Bedingung, von zwei Seiten gelesen.
Bis zum Ausbruch sind beide Reihen dieselben Bars. Was sie unterscheidet, liegt vollständig hinter der Formation – und deshalb steht in der Formation selbst nicht, welcher der beiden Fälle eintritt.
chartkit v0.2.0+a6ae0acAus der Bedingung konstruiert, kein Detektor: chart_patterns führt einen Zustand nach dem Ausbruch, der Export prüft aber nur, ob die Figur auf der Reihe vorkommt
Dass die linke Hälfte beider Bilder identisch ist, ist keine Darstellungsentscheidung: Beide entstehen aus derselben Pivotliste, die erst hinter dem Ausbruch auseinanderläuft. Eine Formation, die vor dem Ausbruch vollständig ist, enthält damit nachweislich keine Information über seinen Ausgang.
Der Anschluss
Ein Fehlausbruch ist zugleich der klarste Fall dessen, was der Strang Struktur lesen als Unterschied zwischen jenseits gewesen und jenseits geblieben behandelt. Mit den drei Zuständen aus Der Kerzenschluss ist die Fehlausbruchsdefinition bereits festgelegt.