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Trendstärke

Wie der ADX aus gerichteten Bewegungen die Stärke eines Trends berechnet.

EinstiegKapitel 12 von 43

In diesem Kapitel: Erklärung · Rechenweg · Berechnetes Beispiel

Setzt voraus: Trend und Mittelwert, Volatilität messen

Der ADX (Average Directional Index) ist ein Maß dafür, wie gerichtet eine Bewegung ist – nicht, wohin sie geht. Er beantwortet damit eine Frage, die die meisten Indikatoren nicht stellen: Er sagt nicht, ob es aufwärts oder abwärts geht – nur, wie eindeutig.

Das macht ihn zu einem Filter, nicht zu einem Signalgeber.

Gerichtete Bewegung

Zuerst wird die Bar-zu-Bar-Bewegung in einen Aufwärts- und einen Abwärtsanteil zerlegt. Gezählt wird nur, was über die vorherige Bar hinausreicht und nur der jeweils größere der beiden Anteile:

Die Rechnung

auf   = high − high[vorherige bar]
ab    = low[vorherige bar] − low

+dm = auf   wenn auf > ab  und auf > 0, sonst 0
−dm = ab    wenn ab  > auf und ab  > 0, sonst 0

kestrel-chartkit · src/indicator/adx.rsv0.2.0

Die Bedingung auf > ab sorgt dafür, dass eine Bar, die nach beiden Seiten über die vorherige hinausragt, nicht doppelt zählt. Sie wird der Seite zugeschlagen, auf der sie weiter hinausreicht.

Die Rechnung

Beide Anteile werden geglättet und an der ATR normiert, damit das Ergebnis vom Kursniveau unabhängig ist:

Die Rechnung

+di = 100 · wilder_glättung(+dm, n) / atr(n)
−di = 100 · wilder_glättung(−dm, n) / atr(n)

dx  = 100 · |+di − −di| / (+di + −di)
adx = wilder_glättung(dx, n)

Der entscheidende Schritt ist der Betrag in der dx-Zeile: Er wirft die Richtung weg. Übrig bleibt nur, wie weit die beiden Seiten auseinanderliegen – also wie einseitig die Bewegung war.

Ausgeführt – eigene Skala

100110120Kurs0255075100adxvaluedi_minusdi_plus
ADX(14) unter dem Kursverlauf.

Datensatz: trend_aufadx_smooth = 14 · di_len = 14 · level_weak = 20chartkit v0.2.0+a6ae0ac

Dieselbe Rechnung steht als Eintrag in der Indikator-Referenz — dort mit allen Parametern und der Eignungsangabe.

Wie man ihn liest

Ein hoher ADX heißt: Die Bewegung war in den letzten n Bars klar in eine Richtung gerichtet. Ein niedriger heißt: Auf- und Abwärtsanteile hielten sich die Waage.

Die Richtung selbst steht in +di und −di, nicht im ADX. Ein steigender ADX bei fallenden Kursen ist ein Abwärtstrend, der an Eindeutigkeit gewinnt – kein Widerspruch.

Konventionell gelten Werte über 25 als „trendend“ und unter 20 als „richtungslos“. Das sind Erfahrungswerte aus Wilders Darstellung, keine Eigenschaft der Formel.

Wofür er taugt

Als Kontextgröße. Trendfolgende Werkzeuge und Werkzeuge, die auf Rückkehr zum Mittelwert setzen, haben entgegengesetzte Voraussetzungen, und der ADX ist einer der wenigen Wege, diese Voraussetzung überhaupt zu messen, statt sie anzunehmen.

Er erbt allerdings doppelten Nachlauf: eine Glättung in +di/−di, eine weitere im ADX selbst. Er bestätigt einen Zustand, er kündigt ihn nicht an. Der Strang Kontext und Regime nimmt das auf.