Der Zeitrahmen ist die Einstellung, die am häufigsten verändert und am seltensten hinterfragt wird. Dabei entscheidet sie nicht nur über die Auflösung, sondern über den Inhalt jeder daraus berechneten Zahl.
Resampling
Eine gröbere Reihe lässt sich aus einer feineren berechnen, umgekehrt nicht. Die Verdichtung wirft Information weg, und die ist nicht zurückzuholen.
Zusammenfassen zu einem gröberen Raster
resample(bars, faktor) =
für jede gruppe von `faktor` aufeinanderfolgenden bars:
open = open der ersten bar
high = max(high über die gruppe)
low = min(low über die gruppe)
close = close der letzten bar
volume = summe(volume über die gruppe)Die Umkehrung existiert nicht: Aus einer Tagesbar lassen sich die vier Stundenbars darin nicht rekonstruieren. Praktisch heißt das, dass eine Analyse immer auf der feinsten Reihe aufsetzen sollte, die verfügbar ist – verdichten kann man später, zurückholen nicht.
Der Anker
Zwei Stundencharts desselben Instruments, eines schneidet zur vollen Stunde, das andere zur halben. Dieselben Abschlüsse, verschiedene Bars: verschiedene Eröffnungen, verschiedene Schlusskurse, verschiedene Hochs.
Alles, was auf Bar-Schlusskursen beruht – jeder gleitende Durchschnitt, jeder Oszillator, jedes Kreuzungssignal – liefert damit andere Werte. Bei Tagesbars entscheidet zusätzlich die Zeitzone der Quelle, welche Abschlüsse in welchen Kalendertag fallen; eine Serie mit US-Schluss und eine mit UTC-Schluss haben verschiedene Tageshochs.
Das ist kein Argument gegen Charttechnik, aber eines gegen Präzisionsansprüche, die die Daten nicht tragen. Ein Signal, das bei einer Verschiebung des Ankers um dreißig Minuten verschwindet, war keine belastbare Beobachtung.
Warum mehrere Zeitrahmen nicht dasselbe zeigen
Eine Bewegung, die im Stundenchart ein sauberer Aufwärtstrend ist, kann im Tageschart eine Gegenbewegung innerhalb eines Abwärtstrends sein. Beide Beobachtungen sind richtig; sie beantworten verschiedene Fragen.
Der Strang Kontext und Regime nimmt das systematisch auf. Für den Moment reicht die Feststellung: Ein Zeitrahmen ist ein Ausschnitt, und ein Ausschnitt allein trägt keine Aussage über das Ganze.
Wie viele Bars braucht eine Kennzahl
Jeder Indikator mit einer Lookback-Periode hat eine Aufwärmphase: Vor der ersten vollständigen Periode gibt es keinen Wert. Manche Implementierungen liefern trotzdem eine Zahl, indem sie über weniger Bars mitteln. Das ist bequem und verfälscht den Beginn der Reihe.
In einer methodisch sauberen Darstellung setzt eine Indikatorlinie daher erst ein, wenn das vollständige Berechnungsfenster durchlaufen ist. Der leere Vorlauf zu Beginn einer Zeitreihe ist keine Unvollständigkeit, sondern die Voraussetzung stabiler Werte ohne Verzerrung durch unvollständige Perioden.