Ein Vorausschau-Fehler liegt vor, wenn eine Auswertung Information verwendet, die zum betrachteten Zeitpunkt noch nicht vorlag. Beim Kombinieren mehrerer Zeitrahmen betrifft das vor allem noch laufende Kerzen der höheren Auflösung.
Der Vorausschau-Fehler
Ein Indikatorwert auf Tagesbasis steht erst fest, wenn die Tageskerze abgeschlossen ist. Endet sie beispielsweise um 17:30 Uhr, darf eine Auswertung für 10 Uhr desselben Tages ihren späteren Schlusskurs noch nicht verwenden. Der letzte abgeschlossene Tageswert ist dagegen bereits bekannt.
Die Rechnung
richtig — der letzte abgeschlossene wert:
für jede bar i der feinen reihe:
j = index der letzten *abgeschlossenen* groben bar zum zeitpunkt von bar i
kontext[i] = indikator_grob[j]
falsch:
kontext[i] = indikator_grob[laufende bar] # verwendet den schluss, den es noch nicht gibtkestrel-chartkit · src/engine/multi_series.rsv0.2.0
Andernfalls enthält das rückblickende Ergebnis Informationen, die während des betrachteten Verlaufs noch fehlten.
Die sinnvolle Arbeitsteilung
Die Zeitrahmen können unterschiedliche Aufgaben übernehmen:
Die gröbere Auflösung liefert den Kontext – Regime, übergeordnete Richtung, größere Niveaus. Damit lässt sich etwa ein Stundenverlauf innerhalb eines Tagestrends einordnen.
Die feinere liefert die Auflösung – Struktur, Ereignisse, genaue Niveaus. Sie zeigt die Bewegungen innerhalb des gröberen Zeitabschnitts.
Der umgekehrte Weg – feine Auflösung für den Kontext, grobe für die Details – ergibt keinen Sinn und kommt trotzdem vor, meist unbeabsichtigt, wenn beide Auflösungen dieselbe Art von Aussage liefern.
Wie weit auseinander?
Eine Faustregel nennt einen Faktor von etwa 4 bis 6 zwischen den Ebenen: Stunde und Tag, Tag und Woche. Zu nah beieinander liefern beide dasselbe; zu weit auseinander hat die gröbere keine erkennbare Beziehung zur feineren mehr.
Das ist eine Konvention, keine Ableitung. Sie ist brauchbar als Ausgangspunkt und sollte nicht als Eigenschaft der Märkte gelesen werden.
Was der Widerspruch bedeutet
Wenn die Auflösungen Verschiedenes zeigen – Aufwärtstrend in der Stunde, Abwärtstrend im Tag –, ist das kein Fehler, der aufzulösen wäre. Beide Beobachtungen sind richtig; sie beantworten verschiedene Fragen.
Für die Einordnung ist daher der betrachtete Zeithorizont maßgeblich. Ein Anstieg über mehrere Stunden kann Teil einer Korrektur innerhalb eines fallenden Tagesverlaufs sein.