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Relative Stärke und Korrelation

Relative Stärke als Kursverhältnis berechnen und von statistischer Korrelation unterscheiden.

VertiefungKapitel 40 von 43

In diesem Kapitel: Erklärung · Rechenweg

Setzt voraus: Trend und Mittelwert, Marktphasen und Volatilitätsregime

Relative Stärke ist die Entwicklung eines Instruments im Verhältnis zu einem Vergleichswert – statt, wie bisher, jedes Instrument für sich zu betrachten, werden hier zwei Reihen zueinander ins Verhältnis gesetzt.

Relative Stärke ist nicht der RSI

Der RSI heißt Relative Strength Index und misst die Stärke der Aufwärts- gegen die Abwärtsbewegungen desselben Instruments. Relative Stärke im hier gemeinten Sinn vergleicht zwei verschiedene Instrumente.

Die Namensgleichheit ist historisch und unglücklich. Gemeint sind zwei völlig verschiedene Größen.

Die Rechnung

Die Rechnung

verhältnis[i] = close_a[i] / close_b[i]

relative_stärke[i] = verhältnis[i] / verhältnis[i−n] − 1

kestrel-chartkit · src/indicator/relative_strength.rsv0.2.0

Ein steigendes Verhältnis heißt: A entwickelt sich besser als B. Das gilt unabhängig davon, ob beide steigen, beide fallen oder eines von beiden, was die Größe brauchbar macht, weil sie den gemeinsamen Anteil herausrechnet.

Zwei Voraussetzungen, die leicht übersehen werden:

Beide Reihen brauchen dieselbe Bereinigung. Wird A dividendenbereinigt und B roh geführt, enthält das Verhältnis die Dividendenrendite von A als Aufwärtsdrift. Über Jahre ist das kein Rundungsfehler.

Beide Reihen brauchen dieselben Handelszeiten. Ein Verhältnis aus einem europäischen und einem amerikanischen Instrument vergleicht an vielen Punkten Kurse verschiedener Zeitpunkte. Siehe Woher deine Kerzen kommen.

Der Vergleichswert ist die Aussage

Relative Stärke gegen welchen Vergleichswert? Gegen den breiten Markt, gegen die Branche, gegen ein konkretes anderes Instrument? Jede Wahl beantwortet eine andere Frage, und ohne genannte Wahl ist die Zahl nicht interpretierbar.

Das ist derselbe Punkt wie beim Anker des VWAP und beim Bereich des Volumenprofils: Der scheinbar nebensächliche Bezugspunkt trägt das Ergebnis.

Korrelation

Der Gleichlauf zweier Renditereihen:

Die Rechnung

rendite_a[i] = close_a[i] / close_a[i−1] − 1
rendite_b[i] = close_b[i] / close_b[i−1] − 1

korrelation(n) = kovarianz(rendite_a, rendite_b, n)
                 / (σ(rendite_a, n) · σ(rendite_b, n))

kestrel-chartkit · src/stats.rsv0.2.0

Der Wert liegt zwischen −1 und +1. Wichtig ist die Berechnung auf Renditen, nicht auf Kursen: Zwei beliebige steigende Kursreihen korrelieren hoch, auch wenn sie nichts miteinander zu tun haben – die gemeinsame Aufwärtsbewegung allein erzeugt den Wert.

Drei Einschränkungen:

Korrelation ist nicht stabil. Sie ändert sich mit dem Marktzustand, und zwar systematisch: In Phasen starker Bewegungen laufen viele Instrumente enger zusammen als in ruhigen. Ein Korrelationswert ohne Zeitraum ist wertlos.

Sie misst Gleichlauf, keine Ursache. Zwei Reihen können durch einen gemeinsamen dritten Einfluss zusammenhängen, ohne aufeinander zu wirken.

Sie misst nur den linearen Anteil. Ein systematischer, aber nicht geradliniger Zusammenhang kann eine Korrelation nahe null ergeben.

Einordnung

Weil es die Einordnung liefert, die ein Einzelchart nicht geben kann: Ob eine Bewegung instrumentspezifisch war oder der ganze Markt gelaufen ist, entscheidet, wie sie zu lesen ist. Der Strang Zusammensetzen nimmt das auf.