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Marktphasen und Volatilitätsregime

Trend, Handelsspanne und Volatilitätsregime anhand ihrer messbaren Eigenschaften unterscheiden.

VertiefungKapitel 38 von 43

In diesem Kapitel: Erklärung · Rechenweg · Berechnetes Beispiel

Setzt voraus: Trendstärke, Volatilität messen

Ein Regime ist ein Zustand des Marktes, der über eine Weile anhält und die Aussagekraft von Werkzeugen verändert. Ob ein Werkzeug überhaupt trägt, ist damit keine Verfeinerung, sondern häufig die entscheidende Frage vor seiner Anwendung.

Was ein Regime ist

Zwei Unterscheidungen lassen sich robust treffen:

Gerichtet oder ungerichtet. Läuft der Kurs in eine Richtung, oder pendelt er? Trendfolgende und mittelwertorientierte Werkzeuge haben hier entgegengesetzte Voraussetzungen. Was im einen Zustand trägt, erzeugt im anderen systematisch Fehlausschläge.

Ruhig oder bewegt. Wie groß sind die Bewegungen im Verhältnis zum Üblichen? Das entscheidet über jede Abstandsangabe, jeden Schwellenwert.

Mehr als diese zwei Achsen ist selten belastbar. Feinere Einteilungen klingen präziser und sind es in aller Regel nicht.

Die Messung

Die Rechnung

gerichtet    = adx(n) > schwelle_adx
bewegt       = atr(n) / close > perzentil(atr/close, m, p)

regime =
    gerichtet und bewegt          → trend, bewegt
    gerichtet und nicht bewegt    → trend, ruhig
    nicht gerichtet und bewegt    → spanne, bewegt
    sonst                         → spanne, ruhig

kestrel-chartkit · src/regime.rsv0.2.0

Der ADX misst dabei die Einseitigkeit der Bewegung ohne Richtung – genau die Größe, die hier gebraucht wird. Die Volatilität wird an ihrem eigenen historischen Perzentil gemessen und nicht an einem festen Wert, weil ein absoluter Schwellenwert zwischen Instrumenten nichts bedeutet.

Ausgeführt – eigene Skala

100110120Kurs0510volatility_regimevaluebb_widthkc_widthsqueeze
Die Volatilitätsregime-Erkennung unter dem Kursverlauf.

Datensatz: trend_aufbb_mult = 2 · kc_mult = 1.5 · period = 20chartkit v0.2.0+a6ae0ac

Dieselbe Rechnung steht als Eintrag in der Indikator-Referenz — dort mit allen Parametern und der Eignungsangabe.

Das Flatter-Problem

Jede Schwellenwert-Einteilung hat einen Grenzbereich, in dem der Zustand hin und her springt. Ein ADX, der um 25 pendelt, erzeugt bei einer festen Schwelle einen Wechsel je Bar, und ein Regime, das sich jede Bar ändert, ist kein Regime.

Die übliche Abhilfe ist Hysterese: verschiedene Schwellen für Eintritt und Austritt.

Die Rechnung

wenn zustand = spanne  und adx > 25:  zustand ← trend
wenn zustand = trend   und adx < 20:  zustand ← spanne
sonst: zustand bleibt

Dazu kommt oft eine Mindestdauer: Ein Zustand gilt erst nach k Bars als bestätigt. Beides verlangsamt die Erkennung, was der Zweck ist, nicht ein Nebeneffekt.

Die Verzögerung, ehrlich benannt

Alle Bestandteile sind geglättet und rückwärtsgewandt. Ein Regime wird deshalb erkannt, nachdem es begonnen hat, und ein Wechsel wird erst festgestellt, wenn er eine Weile besteht.

Daraus folgt, was ein Regime-Modell leisten kann und was nicht: Es ist ein Filter für die Frage „welches Werkzeug ist hier überhaupt sinnvoll“, kein Signalgeber. Ein Handel des Regimewechsels selbst kämpft gegen genau die Glättung, die das Modell erst brauchbar macht.

Warum das früher gehört, als es meistens steht

Die meisten Darstellungen behandeln Regime am Ende, als Verfeinerung. Sachlich gehört die Frage an den Anfang: Ob ein Werkzeug anwendbar ist, ist die erste Frage, nicht die letzte – dieselbe Logik wie bei der Anwendbarkeit, nur bezogen auf den Marktzustand statt auf die Datenreihe.