Eine Candlestick-Formation beschreibt die Anordnung von Körpern und Dochten einer oder mehrerer Kerzen. Ihre geometrischen Merkmale lassen sich aus Eröffnung, Hoch, Tief und Schluss berechnen. Zur Einordnung gehört außerdem der vorherige Kursverlauf.
Bezeichnungen wie Hammer, Doji und Engulfing stehen im Formationskatalog. Die folgenden Maße erlauben es, ihre Form unabhängig vom Kursniveau zu vergleichen.
Die vier Bausteine
Die Bausteine
körper[i] = |close[i] − open[i]|
spanne[i] = high[i] − low[i]
docht_oben[i] = high[i] − max(open[i], close[i])
docht_unten[i] = min(open[i], close[i]) − low[i]kestrel-chartkit · src/indicator/candle_story.rsv0.2.0
Jede Ein-Bar-Formation ist ein Verhältnis dieser vier Größen zueinander. Das ist die ganze Grundlage. Es gibt keine fünfte Information in einer Bar.
Normalisieren statt vergleichen
Ein Docht von zwanzig Punkten ist bei einer durchschnittlichen Spanne von dreißig Punkten groß und bei vierhundert bedeutungslos. Absolute Größen sind deshalb keine Bedingung, sondern eine Verwechslung. Was trägt, sind Verhältnisse:
Die normalisierten Kennzahlen
körperanteil[i] = körper[i] / spanne[i]
docht_oben_anteil[i] = docht_oben[i] / spanne[i]
docht_unten_anteil[i] = docht_unten[i] / spanne[i]
spanne_relativ[i] = spanne[i] / atr[i]
schluss_lage[i] = (close[i] − low[i]) / spanne[i] # 0 = am Tief, 1 = am HochAusgeführt
Datensatz: Anteile 0,20 / 0,15 / 0,65 — die Bedingung, nicht eine Bar aus einer Reihechartkit v0.2.0+a6ae0ac
Die Abbildung ist keine Bar aus einer Reihe, sondern die Bedingung selbst, gezeichnet: Aus den drei Anteilen lässt sich eine Kerze bauen, die sie erfüllt – die Rechnung oben, rückwärts gelesen.
Die ersten drei summieren sich auf eins – sie beschreiben, wie sich die Spanne aufteilt.
spanne_relativ stellt die Bar in den Zusammenhang der jüngsten
Volatilität, und schluss_lage sagt, wo im Ergebnis der Schluss liegt.
Damit wird aus „sieht aus wie ein Hammer“ eine Bedingung, die zwei Betrachter gleich auswerten. Und sie lässt sich umkehren: Eine als Kennzahlen beschriebene Formation lässt sich zu einer Bar zurückbauen, die sie erfüllt. Das ist die Grundlage jeder Abbildung im Katalog.
Ein-Bar-Formationen
Die Rechnung
bullischer pinbar bei i:
docht_unten_anteil[i] ≥ pin_docht_min # voreinstellung 0,55
und schluss_lage[i] ≥ pin_schluss_lage # voreinstellung 0,65
bärischer pinbar bei i:
docht_oben_anteil[i] ≥ pin_docht_min
und schluss_lage[i] ≤ 1 − pin_schluss_lage
marubozu bei i:
körperanteil[i] ≥ marubozu_körper_min # voreinstellung 0,82
doji bei i:
körperanteil[i] ≤ doji_körper_max # voreinstellung 0,08
spinning top bei i:
doji_körper_max < körperanteil[i] ≤ 0,3kestrel-chartkit · src/indicator/candle_story.rsv0.2.0
Die Schwellen sind Parameter, keine Naturkonstanten. 0,55 und 0,65 stehen in der Voreinstellung, weil irgendwo eine Zahl stehen muss; eine andere Einstellung liefert eine andere Menge von Bars. Das ist mit „eine Aussage ohne genannte Toleranz sagt nichts” gemeint.
Beachte den Nenner. Der Docht wird beim Pinbar gegen die Spanne gemessen. Die verbreitete Hammer-Definition nimmt den Körper als Bezug und liefert damit andere Treffer. Eine Bar mit winzigem Körper und mittlerem Docht ist nach der Körper-Definition ein klarer Hammer und nach der Spannen-Definition keiner.
Es ist derselbe Fehler wie beim Engulfing weiter unten: Zwei Definitionen unter einem Namen ergeben zwei Ergebnisse. Der Rechenkern nimmt deshalb beide und meldet sie getrennt, statt sich für eine zu entscheiden:
Die Rechnung
hammer_form bei i:
docht_unten[i] ≥ hammer_docht_min · körper[i] # gegen den KÖRPER
und docht_oben[i] ≤ hammer_gegen_max · körper[i]
und spanne_relativ[i] ≥ min_spanne_atr # keine Mikro-Bar
umgekehrte_hammer_form bei i: dieselbe Bedingung mit vertauschten Dochtenkestrel-chartkit · src/indicator/candle_story.rsv0.2.0
Die letzte Bedingung ist die, die am häufigsten fehlt. Ohne sie erkennt das Verfahren jede winzige Bar mit zufälliger Dochtverteilung als Hammer, und davon gibt es viele.
Warum hier „Form” steht und nicht „Hammer”
Ein Hammer und ein Hanging Man sind dieselbe Geometrie. Was sie unterscheidet, ist die Bewegung davor, und die steht nicht in der Kerze. Der Rechenkern trennt das deshalb in zwei Ausgaben: die Form, die aus der Bar folgt, und den Namen, der einen Vortrend voraussetzt.
Die Rechnung
trendkontext = (close[i] − close[i − rückblick]) / atr[i]
hammer = hammer_form und trendkontext ≤ −schwelle
hanging man = hammer_form und trendkontext ≥ +schwellekestrel-chartkit · src/indicator/candle_story.rsv0.2.0
Solange der Kontext unbekannt ist – am Anfang einer Reihe –, meldet der Kern keinen der beiden Namen. Sich für einen zu entscheiden hieße, etwas zu behaupten, das aus der Bar nicht folgt. Was daraus für die Deutung folgt, steht in Location und Gültigkeit.
Zwei-Bar-Formationen
Auch hier steckt der Streitpunkt im Bezug, und auch hier meldet der Kern beide Lesarten getrennt.
Die Rechnung
bullisches engulfing bei i:
close[i−1] < open[i−1] # vorherige bar abwärts
und close[i] > open[i] # diese bar aufwärts
und open[i] ≤ close[i−1]
und close[i] ≥ open[i−1] # der körper überdeckt den vorherigenkestrel-chartkit · src/indicator/candle_story.rsv0.2.0
Auch hier steckt der Streitpunkt im Bezug: Diese Bedingung vergleicht Körper mit Körper. Die
Variante, die Spannen vergleicht, verlangt zusätzlich high[i] ≥ high[i−1] und
low[i] ≤ low[i−1] – sie findet deutlich weniger Fälle. Beide werden „Engulfing“ genannt.
Die Rechnung
harami bei i:
körper[i] < körper[i−1]
und max(open[i], close[i]) ≤ max(open[i−1], close[i−1])
und min(open[i], close[i]) ≥ min(open[i−1], close[i−1])kestrel-chartkit · src/indicator/candle_story.rsv0.2.0
Ausgeführt
Datensatz: Abwärtslauf 124 → 100, kleine bärische Bar, dann eine große bullischechartkit v0.2.0+a6ae0acVom Detektor bestätigt: bullish_engulfing
Bedingung, Voraussetzung und Invalidierung stehen im KatalogeintragEngulfing.
Der Kern kennt daneben den Tweezer – zwei aufeinanderfolgende Bars mit nahezu gleichem Hoch oder Tief –, das Harami Cross (die innere Bar ist ein Doji) und die Dreier-Formationen Morning Star und Evening Star.
Eine Bar kann mehreres sein
Der Kern meldet jedes Muster, das er auf einer Bar erkennt, als eigenes Merkmal – nicht eines. Eine große bullische Bar kann gleichzeitig ein Marubozu sein und die vorherige umschließen. Eine einzelne Angabe könnte das nicht ausdrücken: Welches Muster übrig bliebe, hinge daran, welche Prüfung zuletzt lief, und das ist keine Eigenschaft des Marktes.
Ausgeführt – eigene Skala
Datensatz: trend_aufatr_len = 14 · doji_body_max = 0.08 · hammer_wick_body_min = 2 · marubozu_body_min = 0.82 · min_range_atr = 0.5 · pin_close_pos = 0.65 · pin_wick_min = 0.55 · trend_lookback = 10chartkit v0.2.0+a6ae0ac
Dieselbe Rechnung steht als Eintrag in der Indikator-Referenz — dort mit allen Parametern und der Eignungsangabe.
Was die Formation nicht enthält
Zwei Einschränkungen, die aus Was ein Chart abbildet folgen:
Die Reihenfolge innerhalb der Bar ist unbekannt. Ein Hammer sagt, dass der Kurs unten war und oben schloss. Er sagt nicht, ob er zuerst fiel und sich dann erholte oder mehrfach hin und her lief. Die verbreitete Erzählung zum Hammer – Verkäufer drückten, Käufer holten zurück – ist eine Rekonstruktion, die die Daten nicht hergeben.
Die Formation hängt am Bar-Schnitt. Verschiebt man den Anker um eine halbe Periode, entstehen andere Bars und damit andere Formationen. Eine Candlestick-Auszeichnung gilt für ihr Raster und ihre Ankerung – nicht für das Instrument.
Die dritte Einschränkung ist so grundsätzlich, dass sie ein eigenes Kapitel bekommt: Solange die Bar läuft, gibt es die Formation noch nicht.